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Zum Winterfrühstück in die Kirche

Die Anzahl obdachloser Menschen hierzulande ist hoch, Armut hat besorgniserregend zugenommen. Not direkt vor der Haustüre. Beseitigen lässt sie sich nicht mit Aktionen wie der nachstehend geschilderten – aber lindern.

Jesus Christus sagte: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Im Jahr 2009 beteiligte sich die neuapostolische Gemeinde Heidelberg-Werderstraße zum vierten Mal an der ökumenischen Aktion „Frühstück im Winter“. Diese gemeinsame Initiative von Heidelberger Kirchengemeinden sorgt dafür, dass wohnsitzlose und bedürftige Menschen vor allem während der strengen Winterzeit in den Morgenstunden ein nahrhaftes Frühstück erhalten und sich aufwärmen können. Gleichzeitig können sie sich dabei trotz schwieriger Lebenssituation willkommen fühlen: Das Angenommen- und Willkommensein ist wichtig für die Menschen, die – im Wortsinn und bildlich gesprochen – aus der Kälte kommen.

In der Woche vom 16. bis 21. März 2009 konnten in der neuapostolischen Kirche Heidelberg-Werderstraße rund 460 bedürftige Menschen in den Mehrzweckräumen ein reichhaltiges, gesundes Frühstück in geheizter Umgebung genießen und sich beim gemütlichen Beisammensein unterhalten. Von 8 Uhr bis 10 Uhr versorgten an sechs Tagen 20 ehrenamtliche Helfer aus dem Kreis der Glaubensgeschwister die Frühstücksgäste. „Bereits um 7 Uhr stehen die ersten Gäste durchgefroren vor der Kirchentür und sind dankbar, sich aufwärmen zu können, auch wenn der Kaffee noch nicht fertig ist“, berichtete eine Glaubensschwester. Die Not hat offensichtlich zugenommen. Viele neue Gesichter waren diesmal zu sehen, auch junge Leute und vor allem Frauen – Rentnerinnen und alleinerziehende Mütter – waren diesmal unsere Gäste. Dankbar wurden auch die gespendeten Kleider, Schuhe und Toilettenartikel angenommen.

Die Finanzierung der Frühstückswoche (von Montag bis Samstag täglich 70 bis 80 Essen) erfolgte in den ersten beiden Jahren, seit sich die Neuapostolische Kirche an der Aktion beteiligt, durch Spenden vor allem der Heidelberger Glaubensgeschwister. Seit zwei Jahren unterstützt Apostel Herbert Bansbach dieses Engagement aus dem Budget, das er für humanitäre Hilfe Inland aus den Mitteln des Missionswerks Süddeutschland zur Verfügung hat. Auch künftig wird die neuapostolische Gemeinde wieder eine solche „Frühstückswoche“ übernehmen.

Fazit einer beim Winterfrühstück engagierten Schwester: „In der Küche geht es fröhlich zu. Es ist ein schönes Gefühl, zu merken, dass die von Herzen geleistete Hilfe tatsächlich gebraucht und dankbar angenommen wird! Wenn man dann von Schicksalsschlägen hört, durch die mancher der Gäste in diese Situation geraten ist, und erlebt, wie nahe Glück und Unglück beieinander liegen, wird man ganz still und nachdenklich.“

„Vesperkirchen“ im ursprünglichen Sinn, als christliche Antwort auf Armut und Einsamkeit, hat es – neben ganzjährigen Initiativen wie Sonntagsküchen, zum Beispiel in Tübingen – im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 18 gegeben, zumeist organisiert in ökumenischen Teams, so u. a. in Göppingen, Reutlingen, Stuttgart, Ulm und Villingen-Schwenningen. Die Neuapostolische Kirche war als Institution hierbei nicht unmittelbar eingebunden, doch haben sich neuapostolische Christen, vor allem Jugendliche, als Helfer in der Küche und bei der Essensausgabe engagiert.

In der Missionswerks-Jahrestagung im Juni 2009 wurde das vom Vorstand des Missionswerks (Vorsitzender ist Bezirksapostel Ehrich, Präsident der Gebietskirche Süddeutschland) eingebrachte Thema „Fürsorge durch Essensmöglichkeit für Bedürftige“ vorgestellt und erörtert: Es soll im Jahr 2010 und danach – denn Kontinuität, Nachhaltigkeit ist wichtig – ein Förderschwerpunkt der humanitären Hilfe werden, die die Neuapostolische Kirche Süddeutschland im Inland leistet. (Wie ein solches Projekt durch die eine und andere der neuapostolischen Gemeinden in Süddeutschland realisiert werden kann, dazu wird auf der Basis der Erfahrungen in Heidelberg eine Broschüre erstellt und konzeptionelle Unterstützung gegeben werden.) „Dieser persönliche Einsatz“, so Bischof Jürgen Kieselmann, als er in der Missionswerk-Tagung zu dem Thema referierte, „hat unter anderem den Vorteil, dass er zu einem unmittelbaren Leben und Erleben der Nächstenliebe führt; das Verständnis für die sozial Schwachen nimmt zu.“